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8 Schritte für ein gelingendes Miteinander im Ehrenamt

Wo du dich ehrenamtlich engagierst, da möchtest du Dinge verantworten und mit anderen gemeinsam Kirchengemeinde gestalten. So wie dir, geht’s auch den anderen, und wo unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen, da braucht es eine gute Verständigung miteinander. Kirche und Konflikt schließen sich nicht aus – die Mittel, in einem solchen Unverstehen miteinander umzugehen sind durch Achtung und Annahme geprägt.

Hier sind 8 Hilfsmittel, um gut in den Austausch zu kommen:

1. 

Erwartungen benennen und kennen lernen: Benennen deine Erwartungen möglichst konkret. Dabei kann dich die Formulierung unterstützen: „Ich möchte mit meiner Mitarbeit hier ….. erreichen. Dazu benötige ich von dir/ von euch, bis dann/ ab dann …“ Wo du dir über deine Erwartung an die anderen und mit der Aufgabe klar bist, da kannst du gestärkt und offen in den Dialog treten. Ermutige den anderen auch von seinen Erwartungen und Bedürfnissen zu sprechen. So könnt ihr euch von Vermutungen über die Motive des anderen verabschieden und eure Interessen ins Gespräch bringen. 

2. 

Wozu eigentlich: Nicht immer wissen wir genau, wozu wir eine Aufgabe übernehmen, was wir damit erreichen möchten, wozu diese gut sein kann. Erfrage es bei den Verantwortlichen und dort, wo diese auch keine klare Vorstellung haben, da findet gemeinsam klare Ziele für diese Aufgabe. 

3. 

Perspektivwechsel: aus deiner Sicht ist vieles ganz klar – aber dein Gesprächspartner versteht es offensichtlich anders. Wie kann das sein? Versuch doch einmal herauszufinden, wie sich euer Thema aus seiner Sicht der Dinge darstellt. Hilfreich ist hier die Überlegung: „was würde der andere dazu sagen, wenn ich ihn frage“. Du kannst auch überlegen, wie es denn andren Beteiligten wohl bei diesem Thema geht. Da hilft dann die Frage: „was sagt ein Mitglied des Presbyteriums, was sagt die Küsterin, was sagt mein Nachbar wohl dazu.“ Scheinbar ganz klare Sachverhalte bekommen so eine Vieldeutigkeit.

4. 

Der gute Grund des anderen: Wir gehen davon aus, dass alle Beteiligten ernsthaft und verantwortlich an der Gestaltung des Gemeindelebens teilhaben möchten. Dann lohnt es, mit einer ganz positiven Unterstellung zu arbeiten: Frage dich, was der gute Gund deines Gegenübers für sein Handeln, Reden und Entscheiden ist. Du musst den Grund nicht teilen, doch du kannst im weiteren Gespräch Wege suchen, die eurer beider Interessen entsprechen. 

5. 

Musterunterbrechung: Kennst du das auch: wenn er jetzt das sagt, dann werde ich so antworten – wenn sie jetzt das macht, dann werde ich wieder so reagieren. Und dann sind wir gefangen in einem Hamsterrad. Dieses scheinbar zwangsläufige Agieren und Reagieren führt ein Eigenleben. Um wieder selbst den Verlauf der Zusammenarbeit mit zu gestalten, steige aus dem Rad aus – und wage etwas ganz anderes. Folge nicht deinem ersten Impuls, sondern schau, was auch noch möglich ist für dich. Und dann lass dich überraschen, was deine neue Aktion bei deinem Gegenüber auslöst.

6. 

Tetralemma: Konflikte entstehen dort, wo unterschiedliche Erwartungen und Interessen aufeinanderstoßen. Da nehmen wir verschiedenen Standpunkte ein und jede Auseinandersetzung festigt diesen Abstand zwischen uns. Es ist ein Dilemma: es kann nur so oder so gehen. Aber ist da wirklich alles schon bedacht? 

Hilfreich kann es hier sein, miteinander die Optionen zu erweitern, indem ihr euch fragt, was ist: 

I. Das Eine
II. Das Andere
III. Beides
IV. Keins von beiden
V. Dies nicht und auch das nicht (alles ist möglich)

Wo es nicht nur a oder b, schwarz oder weiß, richtig oder falsch gibt, da werden Zwischentöne hörbar. Da verlassen alle ihren Standort, um der Sache weiter zu helfen.

7. 

Kreis-Regeln: als kleines und feines Handwerkszeug können dir die „Kreis-Regeln“ dienen. Sie ordnen unseren Austausch in Gruppen und Kreisen, wo sich alle darauf einlassen. Wichtigste Elemente sind dabei:

  • Persönliche Informationen sind vertraulich;
  • wir hören einander aufmerksam zu und urteilen nicht;
  • wir achten darauf, zum schöpferischen Prozess der Gesamtgruppe beizutragen;
  • wir bitten um das, was wir brauchen, und wir geben, was wir können;
  • von Zeit zu Zeit halten wir inne und richten unsere Gedanken und Aufmerksamkeit wieder neu aus. 

8. 

Begleitung durch dritte ist dort sinnvoll, wo du dich unsicher, übergangen, nicht gesehen fühlst. Manchmal können Menschen aus der eigenen Gemeinde, aus dem Leitungsgremium, oder die Pfarrperson hilfreich sein. Sowohl in einem Beratungsgespräch mit den Kolleginnen aus dem Kompetenzzentrum Ehrenamt, als auch durch eine professionelle Konfliktberatung lassen sich unabhängige Zugänge zur gestörten Zusammenarbeit finden. Für deine persönliche Entwicklung kann eine Supervision/ ein Coaching hilfreich sein, für die du finanzielle Unterstützung aus deinem Presbyterium anfragen solltest. In deinem Team lässt sich ein Team-Prozess auch durch die Gemeindeberatung oder Supervision anregen, wenn alle Beteiligten sich darauf einlassen können.

Kerstin Neddermeyer

Pfarrerin
Coach
Gemeindeberaterin

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